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cheiroCheiro’s ungewöhnliche Karriere
– Ein Seher, der niemals daneben lag
Jürgen Berus
ISBN 9783839184479, BoD, Taschenbuch, 258 Seiten, € 17,95

Cheiro war nachweislich der bekannteste Handleser und Numerologe zu seiner Zeit. Zu seinen Lebzeiten beriet er tausende von Menschen. Seine Prophezeiungen waren so genau, dass er dadurch ins Rampenlicht der oberen Zehntausend geriet. Viele berühmte Persönlichkeiten gaben ihm die Ehre und erklärten ihn zum Meisterchiromanten. In diesem Buch erzählt der bekannte Okkultist, wie er sich vom unbedeutenden Nachbarsjungen, zum bekanntesten „Hellseher“ entwickelte, der sowohl in New York, als auch in London, Paris und anderen Weltstädten erfolgreich wirkte. All seine Prophezeiungen basierten jedoch auf einer rein berechnungstechnischen und beobachtungsspezifischen Grundlage. Wie ein Detektiv spürte er die Zeichen in den Händen seiner Probanden auf und offenbarte ihnen Dinge, die jene überraschten und als diese Dinge dann eintraten, waren sie umso mehr erstaunt. In diesem Werk, das nun erstmals auf Deutsch vorliegt, erzählt uns Cheiro seinen Lebensweg, wie er dazu kam, dieses Studium aufzunehmen, wie er schon in jungen Jahren nach Indien und Ägypten reiste, wie er mit König Edward VII. bekannt gemacht wurde, wie er Oscar Wilde seinen Untergang vorhersagte und vieles mehr. Allerdings hat sich Cheiro auch nicht zurückgehalten, wenn es darum ging, die Geheimnisse seiner Arbeit zu beleuchten. Viele Erklärungen, bezüglich seiner Vorhersagen, werden in diesem Buch beschrieben. Zwei zusätzliche Kapitel, die detailliert die Lebenslinie beschreiben und auch die Numerologie bestrahlen, vervollständigen dieses besondere Werk.

Kapitel I

Wie ich ein Seher wurde.
Das Gespräch in London: Charles Stewart Parnell

Von vielen Seiten bin ich gebeten worden, meine Memoiren zu veröffentlichen, aber es gab gewisse Gründe, die mich jahrelang davon abgehalten haben. Ich finde, dass es sehr schwierig ist, über das eigene Selbst zu schreiben. Die einzelnen Erinnerungen müssen geordnet werden und man sollte dann auch noch wissen, wann man beginnen und enden sollte.

Für eine lange Zeit habe ich mich darum bemüht, die Veröffentlichung dieses Buches zu vermeiden, und vielleicht hätte ich es noch weiter vor mich her geschoben, wenn es nicht schlussendlich mein eigener Wunsch gewesen wäre, der mich dazu trieb; aber in dieser fremden Welt von Tatsachen, Phantasien und Scheinbeweisen muss man manchmal die Fakten darlegen, damit die Scheinbeweise widerlegt werden können.

So war es auch bei mir. Wenn ich dieses Buch nicht veröffentlicht hätte, dann hätten es andere getan; und in diesem Fall fürchtete ich, dass die Fiktion sonderbarer ausgefallen wäre, als die Wahrheit.

Meine einzige Inanspruchnahme des Titels der “Allbekanntheit” bestand darin, dass ich einer ungewöhnlichen Tätigkeit nachging und somit auch außergewöhnliche Erfahrungen hatte und in vielen Fällen seltsame Leute traf.

Es sind diese Leute und Erfahrungen, die einen Anspruch auf Veröffentlichung haben – mein eigenes Leben muss nur als ein Faden betrachtet werden, an dem das Schicksal ihre Perlen oder ihre Marionetten hängte, wie immer es sein mag.

Daher werde ich mich so wenig wie möglich auf mein eigenes Leben beziehen, und wenn der weiße Faden meine eigene Person beleuchtet, dann hoffe ich, dass dies nur als ein Bindeglied betrachtet wird und es unmöglich war, diese Begebenheiten auszulassen.

So wie der schwächste Faden einen Anfang haben muss, so werde ich am Anfang in wenigen Worten über mein früheres Leben berichten, aber nur den Teil, der sich auf mein seltsames Studium bezieht. Kurz dargestellt, fing der Faden folgendermaßen an:

Väterlicherseits stamme ich von den Normannen ab. Meine Mutter kommt aus einer französischen Familie, die aber in Irland geboren ist, und ich kann fast sicher behaupten, dass ich auf einem Stapel Bücher gezeugt worden bin.

Von meines Vaters Seite erbte ich die Dichtung, den Stolz und die Philosophie, von meiner Mutter die Liebe zum Okkulten in jeder Form, kombiniert mit einem seltsamen religiösen, aufopfernden Ismus, der niemals aufgehört hat zu existieren.

Diese seltsame Kombination erzeugte durch ihre Verbindung einen Menschen, der eine besondere Berufung folgen musste, die nicht auf herkömmlicher Weise ablaufen würde.

Wie die einfachsten Dinge die Wendemarken im Leben der Männer in der Welt werden, so war ein ungewöhnlich nasser Sonntag der Hauptfaktor, mit dem sich meine Lebensströmung änderte und so mein Schicksal beeinflusste.

Kurz, um zu verhindern, dass ich meinen Gedicht schreibenden Vater in der Bibliothek störte, unterrichtete mich meine Mutter in der Handlesekunst. Sie kannte sich sehr gut in diesen Dingen aus und erklärte mir die Namen der einzelnen Handlinien in meiner Hand. Bald kannte ich die Bezeichnungen meiner Linien, und wenn es mir möglich war, versuchte ich andere Hände zu finden, die ähnliche Markierungen aufwiesen.

Ich war erst elf Jahre alt, aber meine Mutter hatte in mir einen Samen gelegt, der sofort anfing, in meinen Gedanken zu keimen; so sehr, das ich, als ich die Hände der Dienerschaft “gelesen hatte”, es im nächsten Dorf versuchte, das ungefähr eine Meile von meinem Elternhaus entfernt war. Mein Verschwinden blieb natürlich nicht unbemerkt. Nach einer langen und müden Suche entdeckten meine tieftraurigen Eltern den jugendlichen Wissenschaftler, der nun wieder nach Hause und ins Bett gebracht wurde.

Bald darauf, wahrscheinlich um meine okkulten Neigungen zu bekämpfen, beschloss mein Vater, dass ich für die Kirche ausgebildet werden sollte und ich dementsprechend zu einer äußerst strengen Schule geschickt wurde, wo meinem Vater versichert wurde, dass der okkulte Unsinn schnell aus meinem Kopf gepresst werden würde.

In seiner Idee, mich für die Kirche ausbilden zu lassen, war er im Recht, so glaubte ich damals; da ich gewiss bin, dass kein Junge jemals sein Leben mit einer religiösen Natur oder einem gottgläubigen Temperament beginnt.

Obwohl es vom ersten Augenblick, als eine vielleicht seltsame Anomalie erscheinen mag, behaupte ich dennoch, dass es die Grundlagen jenes starken Temperaments waren, das mich an dem Handstudium mit einem Eigensinn hängen ließ, der alle Oppositionen überwand.

Es war ein Mysterium, ähnlich der Religion selbst, es enthielt die Sprache der Seele in seinem Gefängnis und die Handlinien schienen mir öfters eine greifbarere Lebenskarte anzuzeigen, als die neununddreißig Artikel, die ich gezwungenermaßen auswendig lernen musste.

Diese Wissenschaft wurde auch von Männern verachtet, viel missbraucht und verleumdet, und dieser Umstand war es, dass mich diese Lehre anzog, vielleicht sogar aus Mitleid und Mitgefühl. Je mehr ich die Bibel studierte, desto mehr schienen sich die seltsamen Fäden von Leben, Handlungen und Resultaten zu verbinden; und so wurde ich immer mehr davon überzeugt, dass die Natur ihre geheimen Seiten hatte, die weder die Wissenschaft noch die Religion bis dahin enträtselt hatte.

Ich kann nicht meine Freude beschreiben, die mich überkam, als ich verschiedene Texte in jenem großen “Schicksalsbuch” entdeckte, die von den Schicksalen der Rassen und jenen seltsamen Ereignissen erzählten, “dass der Gotteswille erfüllt werden könnte.”

Kann ich jemals diese Nacht vergessen, als mein Geist zum ersten Mal die Geschichte vom Verratenen und des Verräters begriff; das Bild des “leidenden Mannes und das Kind des Schicksals, der sich Judas nannte – die eine Notwendigkeit von anderen, “dass sich die Schrift bewahrheiten möge”?

Wie ich dort in der Stille saß, um die “Warums” und “die Gründe” dessen zu erfahren, schien es so, als wenn sich das schicksalsverwundete Gesicht von Judas aus dem Schatten der Vergangenheit herausbildete, und ich sah in seinen schwachen, ausgestreckten Händen das Erbgut, das genau in seine Rolle passte und seinen Namen hinterließ, den Beinamen der Nationen.

Am nächsten Tag hatten die Schriften eine größere Bedeutung für mich als jemals zuvor. Die neununddreißig Artikel besaßen eine Faszination für mich, die den ehrwürdigen Professor meiner Klasse überraschte. Der siebzehnte Artikel wurde durch sein großartiges Argument zugunsten der “Vorherbestimmung”, zu solch einer Kraft in meinen Gedanken, das ich nicht realisieren konnte, was ich danach tat. Mein Lehrer war erstaunt, als ich ein Wortgefecht zu diesem Thema anstrengte. Zum Ende meiner Ausschweifung wurde ich aber für diese Spielstunde mit Schmerzen bestraft.

Aber jedes Übel hat auch seine guten Seiten – es ist so, als wenn wir nur versuchen, das Gute zu erkennen, wenn es kommt – so skizzierte ich während meiner Strafe, anstatt meine Übungen zu machen, was ich über die Hände von Judas dachte und ich war so vertieft in meiner Aufgabe, dass ich nicht die Anwesenheit des alten Professors bemerkte, der über meiner Schulter sah.

An Stelle der scharfen Rüge, die ich erwartete, setzte sich der alte Mann an meine Seite und ließ sich die Zeichnung, Zeile für Zeile, erklären. Dann wurde er noch freundlicher, und dann – zu meinem grenzenlosen Erstaunen – stellte er mir seine eigenen, sonderbar aussehenden Hände zur Verfügung und fragte mich auf eine sanfte Art und Weise, was ich mit ihnen machen könnte.

Zu meinem Erstaunen …

Jürgen Berus

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Von Jürgen Berus

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