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mikitschMarionette aus Fleisch und Blut
– Horror
Gudrun Mikitsch
ISBN 9783839141885, BoD, broschiert, 196 Seiten, € 15,90

mnikitschWir alle wissen, was Marionetten sind – sie sind Figuren, die kein eigenes Leben haben, sie werden ausschließlich von Jemandem bewegt, indem er geschickt an ihren Fäden zieht. Auch wir Menschen sind hin und wieder eine Marionette, wenn wir das Gefühl haben, dass wir jegliche Macht unseres eigenen Daseins verloren haben und jemand anders unser Leben in die Hand genommen hat. Hier ist immer wieder, sich die Frage zu stellen, wer denn genug Macht hat, dieses Spiel mit den Fäden zu spielen? Es gibt immer einen, der genug Macht und List hat, um Jemanden zu seiner Puppe zu machen und einen, der es durch seine Unüberlegtheit oder Schwäche zulässt, eine Puppe zu werden. In einer kleinen Stadt, wo jeder jeden kennt, scheint alles ruhig zu sein, bis eine Frau nach der anderen auf mysteriöse Art und Weise verschwindet. Seltsame Geschäfte werden abgewickelt. Das Böse ist in die Stadt gezogen.

"Mädchenleiche wurde heute in den frühen Morgenstunden in den Auen gefunden. Ersten Untersuchungen nach, wurde das Mädchen völlig ausgeweidet. Die Identität des Mädchens ist noch unklar. Die Polizei ermittelt noch!“ Und das auf nüchternem Magen, dachte sich Sandy, als sie den Nachrichtensprecher im Radio hörte und sie gerade aus dem Bett stieg. Es war um die Mittagszeit und die heiße Sommer Sonne strahlte bereits in ihrer vollsten Pracht in den Raum. Für Sandy genau die richtige Zeit, um aufzustehen, denn die Nächte dauerten für sie oft bis in den Morgengrauen. Sie stand im „Come in“, einer kleinen Bar, als Kellnerin hinter dem Tresen. Es war eine Bar, die gut von ihren Stammgästen leben konnte. Jeden Tag kamen dieselben Leute, mit ihren selben Sorgen, die sie auch am Vortag schon hatten, herein spaziert. Sandy kannte sie alle, ob Mark, der täglich nach der Arbeit pünktlich um 17:15 Uhr eintraf, oder seinen Freund Andy, der zu meist erst gegen 18:00 Uhr an der Bar sich einfand, weil er noch sein Massagestudio zusperren musste. Oder Thomas, der von Allen Tom genannt wurde und der Besitzer einer Autowerkstatt war, auch er schaute jeden Abend nach Feierabend zur kleinen Bar herein. Auch Sandys Freundinnen waren in dieser Bar Stammkundschaft, für ein kurzes Pläuschchen hatten sie alle Zeit. Am Vormittag arbeitete eine andere Kellnerin hinter der Bar, Melanie. Sie wurde jeden Tag um 15:00 Uhr von Sandy abgelöst. Eigentlich waren die Öffnungszeiten nur bis 23:00 Uhr, das allerdings interessierte niemanden, wenn es begann heiter zu werden. Ausgeschenkt wurde so lange, bis der letzte Gast gegangen war, wenn auch manchmal mit ein bisschen Nachdruck von Sandy, die dann auch schon gerne ihr Bett vor sich sehen wollte. Böse war ihr deswegen aber keiner gewesen, sie war als Kellnerin sehr beliebt in diesem Lokal. Manchmal arbeitete sie auch Wochenends dort, aber nur, wenn das Geld mal wieder ein bisschen knapp war und sie Überstunden brauchte. Im Normalfall allerdings hielt der Chef, Alex Hochstätter, höchst persönlich am Wochenende die Stellung in der Bar. Diese Bar war nicht die einzige, die er besaß, er hatte noch zwei, außerhalb der Stadt und ein Restaurant war auch noch in seinem Besitz. Wochenends kam er deshalb so gerne in sein „Come in“, einerseits, um die Zahlen zu kontrollieren und andererseits, um die Leute wieder zu sehen. Er war hier aufgewachsen und dieses Lokal gehörte, als er noch ein kleiner Junge war, seiner Mutter. Zu den damaligen Zeiten war es eher ein Cafe, aber auch schon damals war es sehr gut besucht gewesen. Das Lokal weiterzuführen, war er seiner Mutter schuldig gewesen, er hatte es ihr sogar am Sterbebett versprochen, so erzählte n es eben die Leute. Jedenfalls genoss er es am Wochenende, mit den Leuten an der Bar zu plaudern, einige der Gäste waren mit Alex noch in die Schule gegangen. Er war, Sandys Meinung nach, ein guter Chef – sie konnte ungehindert ihre Arbeit machen, er stand nicht immer irgendwo an einer Ecke im Wege und nörgelte deshalb auch nicht an der Arbeitsweise. Vielleicht sah sie ihn ein Mal im Monat, wenn er gerade vorbei kam. Sandy war endlich aus ihrem Bett aufgestanden und nach einem Blick in den Spiegel, wusste sie, dass eine Dusche das Richtige wäre. Während das heiße entspannende Wasser Sandy Wohltat spendete, blickte Melanie, die ihre Schicht an der Bar noch hinunter bog, bestimmt schon das zwanzigste Mal auf die Uhr. Allem Anschein nach, wollte die Zeit einfach nicht vergehen. Sie öffnete das Lokal schon um 07:00 Uhr, da stürmten schon einige Leute herein, um noch schnell einen Kaffee vor dem Arbeitsbeginn, zu genießen. Aber gegen Mittag, schien die Bar wie ausgestorben. Es schien, als hatten alle etwas Besseres zu tun, als sich ein kühles Bier oder einen heißen Kaffee zu gönnen. Melanie dachte nur noch an ihren Dienstschluss, um endlich Sandy die Schicht übergeben zu können, denn Tage wie solche, an denen tote Hose war, mochte sie überhaupt nicht, das machte sie dann die ganze Zeit hungrig, obwohl sie eigentlich ständig auf Diät war und man es ihr noch immer nicht ansah. Melanie war eine etwas mollige, blonde, etwa 1:60 cm große Frau, die ihr ganzes Leben damit verbrachte, abzunehmen, wobei sie es nie schaffte. Sie aß auch gerne mal aus Langeweile oder stopfte sich am Abend vor dem Fernseher eine deftige Portion Eis hinein, immer den Gedanken im Kopf, dass sie am nächsten Tag mit einer Diät beginnen würde. Aber jeder der Melanie kannte, fand sie genau so wie sie war, in Ordnung, niemand konnte sich Melanie spindeldürr vorstellen, dann wäre es nicht mehr Melanie. Außerdem war sie ja eine recht hübsche Frau, die blond gelockten Haare trug sie meist offen, sie reichten hinunter bis zu ihren Hüften und waren ihr ganzer Stolz. Sie wurde auch immer sehr bewundert wegen ihrer Haare. Sandy stand bereits vor dem Spiegel und schminkte sich, während sie immer auf die Uhr sah, um nicht die Zeit zu übersehen, in ihrer Trödelei. Währenddessen spazierte gerade Karin zur Bar herein. Karin war eine Frau Mitte dreißig, eine Mutter zweier Kinder und alleinstehend. Sie hatte dunkle kurze Haare, einen kessen Haarschnitt und war schlank, wie ein Modell. Auch sie kam gerne Mal nach dem Shoppen, auf einen Kaffee in die kleine Bar, um sich ein bisschen von ihrem Stress mit den Kindern zu erholen. Ihr Sohn war 12 Jahre alt und die Tochter 8 Jahre alt. Sie lebte weder mit dem Vater ihres Sohnes noch mit dem Vater ihrer Tochter zusammen. Beides waren nur kurze Affären aus denen unvorsichtiger Weise ihre Kinder entstanden waren. Karin war nicht die Frau, die auf eine lange Beziehung aus war, hier und da hatte sie mal wieder eine Affäre. Auch sie kannte Melanie und Sandy, die zwei Kellnerinnen von dieser Bar. Melanies Laune schien zu steigen, als Karin das Lokal betrat: „Ein herzliches Hallo …!“ Karin lachte ihr zu und setzte sich auf einen der Barhocker: „Hallo Melanie! Ist ja nichts los heute hier!“ Melanie dreht die Augen über und meinte: „Ja, wem sagst du das? Die Leute werden schon alle auf Urlaub sein … nur ich stehe noch hier und stehe mir die Beine in den Bauch!“ Beide lachten sie kurz und Melanie deutete zur Kaffeemaschine: „Kaffee?“ „Ja bitte … wie immer!“ Während Melanie an der Kaffeemaschine herum hantierte, blickte Karin zur großen Fensterscheibe hinaus auf die Straße und beobachtete, die vorbeigehenden Menschen. „Bitte schön!“, sagte Melanie freundlich und stellte die Tasse mit Kaffee und einem Schlaghäubchen darauf hin. „Danke dir! Wann hast denn Dienstschluss?“, versuchte Karin ein Gespräch mit Melanie zu beginnen. „Um 15:00 Uhr kommt Sandy … endlich! Will heute nur noch hinaus aus diesem Laden … ist heute echt langweilig hier!“ Karin nickte lächelnd und überlegte, was der nächste Gesprächsstoff sein könnte. Da platzte Melanie plötzlich heraus: „Hast das heute in den Nachrichten gehört, von dem Mädchen, das sie gefunden haben? – Ist echt schlimm, was so alles passiert! Ich frage mich wirklich manchmal, in welcher Welt wir eigentlich leben?“ Karin nickte wieder dazu: „Ja, hab ich gehört … echt schlimm …“ Das belanglose Gespräch ging noch einige Zeit so weiter, während Karin immer wieder gelangweilt aus dem Fenster sah und alle möglichen Leute beobachtete. Hier und da fiel ein kleiner Scherz und sie lachten wieder. Während Melanie und Karin heiter über die Leute, die vor dem Lokal herum spazierten, herzogen, schlenderte Sandy zur Tür herein. Voll gestylt und sexy wie immer kam sie, wie der Sonnenschein an die Bar. Sandy war ein keck aussehendes Mädchen um die fünfundzwanzig Jahre, hatte ebenschwarzes schulterlanges gerades Haar und so wie der eine oder andere männliche Gast behauptete, hatte sie die schönsten blauen Augen dieser Stadt. Sie war überall bekannt für ihre kürzesten Minis, die sie immer trug. Sie liebte, alles, was kurz und knapp geschnitten war, so wie enge Tops. Ihre Laune glich immer einem Sonnenschein, sie nahm das Leben, so wie es kam und sah alles mit ein bisschen Humor. Sie hatte noch eine besondere Eigenschaft, die niemand, außer ihr selbst, kannte. Sie selber empfand diese Gabe nicht als so positiv und mochte sie eigentlich überhaupt nicht. Sie versuchte sie manchmal sogar zu ignorieren, das war aber leider nicht immer möglich. Sie hatte ihre Gabe vor ungefähr zehn Jahren entdeckt, nachdem ihr Vater gestorben war. Das traf das damals fünfzehn Jährige Mädchen so hart, dass sie immer zu versuchte, mit ihrem verstorbenen Vater Kontakt aufzunehmen, sie las sämtliche Bücher zu diesem übersinnlichem Thema und war fest davon überzeugt gewesen, dass es mehr Dinge gibt, als die man sehen kann. Sie steigerte sich intensiv in den Tod ihres Vaters hinein, als sie plötzlich aus heiterem Himmel, als sie wieder einmal das Foto ihres Vaters in die Hand nahm, eine Art Vision vor ihren Augen hatte. Sie konnte plötzlich den genauen Ablauf seines Autounfalls vor ihren Augen sehen, obwohl sie nicht dabei gewesen war. Von dem Augenblick an, wollte sie das zwar ignorieren und versteifte sich auch nicht auf diese Erscheinungen, doch manchmal passierte es noch immer, wenn sie jemandem die Hand gab, oder einen Gegenstand berührte, dass sich plötzlich eine Geschichte, im Zusammenhang dieses Gegenstandes oder dieser Person, vor ihren Augen auftat. Es handelte sich dabei immer um Geschichten der Vergangenheit. Deshalb mochte sie es nicht so gerne, auch wenn es für manche unhöflich erschien, jemanden die Hand zu schütteln, aus Angst, sie würde wieder etwas sehen. Dennoch hatte sie ein sonnig es, heiteres Wesen. So lachte sie auch schon Melanie von weitem entgegen: „Hey Mel … alles klar?“ Sie verstand es sehr gut, Leute mit ihrer Fröhlichkeit anzustecken. „Ja danke, Sandy … ich langweile mich ja nur erst seit Stunden hier, weil kein Gast kommen will!“ Sandy lächelte und stichelte Melanie ein wenig auf: „Na, wirst schon sehen jetzt beginnt meine Schicht …jetzt rennen uns die Gäste das Haus ein!“ Melanie rollte mit den Augen und sagte gelangweilt: „Ja natürlich, das glaub ich auch!“ Da Sandy noch ein wenig Zeit hatte, bis ihr Dienst begann, saß sie sich zu Karin an die Bar und begrüßte sie: „Hey Karin, bei dir auch alles in Ordnung? Warst ja schon lange nicht mehr hier, wie geht’s den Kindern?“ Karin wandte sich Sandy zu und berichtete: „Ja danke, alles in Ordnung bei meinen Kindern…hab mir heute einmal eine kleine Auszeit gegönnt und genieß ein bisschen bei einer Tasse Kaffee!“ Inzwischen stellte Melanie eine Tasse Kaffee an die Bar zu Sandy. Alle drei plauderten noch ein wenig belangloses Zeug, was man so als Smalltalk bezeichnen würde, als mit einem Mal die Türe auf ging und Emilie herein platzte. Sowohl bekam Sandy als auch Emilie einen Schreikrampf, rannten wie zwei verrückt gewordene Hühner aufeinander zu und umarmten sich. „Emi!!! Meine Kleine!“ Emilie war eine der besten Freundin von Sandy und sie sahen, was das Anziehen und schminken betraf, wie Zwillingsschwestern aus. Für eine kurze Zeit benahmen sie sich bei ihrer Begrüßung, wie völlig hysterisch gewordene Hühner. Noch einige Zeit verging mit dieser Begrüßungszeremonie, bis sich die zwei Frauen wieder im Griff hatten und Emilie sich zu Karin an die Bar setzte. Sandy war wieder voll in ihrem Element und freute sich auf ihren Dienst, der für sie gewiss nicht langweilig werden würde, das wusste sie.

Gudrun Mikitsch

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Autorin Gudrun Mikitsch wurde in Österreich/Steiermark im Jahr 1982 geboren, ist Mama von zwei kleinen Kindern. Lesen ist ein großer Bestandteil ihres Lebens, sowie auch das Schreiben. Sie hat schon sehr früh begonnen, ihre Phantasien und Gedanken zu Papier zu bringen. Im Jahr 2009 begann sie daran zu glauben, schrieb ein Manuskript nach dem anderen und veröffentlichte Anfang 2010 ihr erstes Buch.

Von Gudrun Mikitsch

 

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