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coverPedro Hannusch und der Schatz an der Mühle
– Jugendbuch
Ulf Kamzelak
ISBN 9783938175415, EWK Verlag, Taschenbuch, 167 Seiten, € 11,90

kamzelakPedro Hannuschs erstes Abenteuer liegt schon lange zurück. So lange, dass die Geschichte selbst in der Erinnerung ganz unwirklich erscheint – wie aus einer anderen Welt. Zu einer Zeit, als es weder Handys noch Computerspiele gab, als Abenteuer noch nicht virtuell, sondern höchstpersönlich und hautnah erlebt wurden, ging Pedro zum ersten Mal alleine mit dem Zug auf die Reise. Natürlich hatte er sich auf die Ferien bei den Großeltern auf dem Land gefreut, aber wie ereignisreich und aufregend diese Wochen werden würden, dass er am Ende – gemeinsam mit seinen neuen Freunden – sogar vor der Aufgabe stehen sollte, einen keltischen Schatz vor kriminellen Kunsträubern zu retten, das hätte er sich bei der Abreise nicht träumen lassen.

Schatzgräber in Not

Karl Heimann war sauer. Dieser Juri mochte ja gut im Schätze-Aufspüren sein. Vielleicht wusste er auch am besten, wie man das Gold in Scheine umwandelt. Aber er hatte ja keine Ahnung, in welcher Gefahr sich der Schatz befand, wenn man ihn noch länger auf dem Hügel ließ. Die Kinder hatten gesagt, dass sie dort graben wollten! Er durfte gar nicht daran denken. Ob das Einschüchtern geholfen hatte? Konnte sein, aber sicher war sich Heimann nicht. Heute würde er Juri treffen. In der Autobahnraststätte. Da würden sie am allerwenigsten auffallen. Dorthin verirrte sich niemand aus dem Dorf. Heimann setzte sich in sein klappriges Auto und fuhr los.
Juri erwartete ihn bereits.
“Mensch Heimann, was ist denn los mit Ihnen? Nächste Woche wollte ich mit der Vermittlerin kommen und ihr ein paar von den Schmuckstücken zeigen, und nun rufen Sie mich an und erzählen mir, dass der Schatz da weg muss?”
“Was kann ich dafür”, konterte Heimann. Der Kowalski aus dem Nachbardorf hat seinen Enkel zu Besuch und der hat Freunde im Dorf. Ausgerechnet meine Mühle musste der Alte der Bande zeigen und er hat sie auch noch da übernachten lassen.”
“Er?”, fragte Juri verwundert, “ich denke, es ist Ihre Mühle.”
“Ja, schon, aber ich konnte ja nicht wissen, dass die überall rumschnüffeln und das Grab entdecken.”
“Moment mal, Sie haben zugelassen, dass diese Rotzlöffel alles ‘rausfinden und ich – ich meine wir – alles verlieren? Sind Sie noch ganz bei Trost?”
Juri hatte alle Mühe, nicht zu schreien. Sein Kopf war rot angelaufen, das Gesicht verzerrt und so zischte und knurrte er Heimann an.
“Hör mal, die Kinder haben nichts gefunden. Konnt’ ich doch nicht wissen, dass sie auf den Hügel rennen. Kinder sind eben unberechenbar. Vielleicht sehen wir die dort nie wieder, aber vielleicht rücken sie auch schon morgen mit Werkzeug an und fangen an zu graben.”
Heimann ahnte nicht, wie recht er damit hatte.
“Jedenfalls ist mir das zu unsicher da und bei mir zu Hause kann ich das nicht lassen. Meine Alte findet einfach alles”, schloss Heimann.
“Na gut”, sagte Juri, “wenn das so ist, schaffen wir das Zeug heute noch weg. Wir vergraben es unter der Steige zur Mühle. Da forscht sicher keiner nach. Heute ist Vollmond. Treffen wir uns Punkt zehn Uhr abends an der Mühle. Lampen bringe ich mit. Du besorgst eine Schubkarre und Stroh.”
“Gut, ich komme. Aber was sag ich meiner Alten?”
Juri grinste.
“Das ist dein Problem”.

Im Licht des Mondes

“Wo willst du denn noch hin um die Zeit?”
Auf diese Frage seiner Frau hatte sich Heimann schon eingestellt. Zu lügen hätte keinen Zweck. Das würde sie gleich spitzkriegen. Die ganze Wahrheit konnte er ihr auch nicht sagen, also entschloss er sich zu einer ganz einfachen Taktik.
“Hör zu, du geh st mir vielleicht auf die Nerven mit deiner Fragerei. Geht dich nichts an, wohin ich gehe, hörst du? Die Leute reden ja schon. Du musst mir immer nachspionieren. Mach’s doch jetzt auch. Wozu soll ich mir die Mühe machen und dir alles sagen, wenn du mir doch nicht über’n Weg traust?”
Damit verließ Heimann das Haus. Zurück blieb seine Frau, etwas irritiert dreinschauend. So hatte er ja noch nie mit ihr geredet. Wie konnte er es wagen! Schon wollte sie ihm hinterherschleichen, aber dann schämte sie sich doch. Hatte er nicht auch recht? Ihr Heimann war doch ein herzensguter Mensch und immer treu und gut zu ihr. Wenn nur diese Neugier nicht wär’! So ging Heimanns Taktik auf. Unbemerkt kam er zur Mühle. Unbemerkt? Na ja, niemand war ihm gefolgt, aber außer Heimann und Juri war noch jemand draußen um diese Zeit.

Pedro und Hanka hatten einen Pfad zur Mühle gefunden und dort am Nachmittag Rast gemacht. Als Pedro später wieder bei den Großeltern am Abendbrottisch saß und gedankenlos in seine Hosentasche griff, stellte er erschrocken fest, dass die Uhr fehlte, die er von Juri bekommen hatte. Ein Kettenglied der Uhrenkette hatte sich aufgebogen. Er musste die Uhr verloren haben, aber wo? Pedro durchsuchte das Zimmer, dann das ganze Haus – nichts. Er überlegte. An der Mühle hatte ich sie doch noch. An der Mühle! Da musste sie sein! Als es dunkel wurde und alle schliefen, stand Pedro wieder auf und zog sich an. Aus dem Nachttisch nahm er die Taschenlampe. Vorsichtig und leise schlich er die Stiege hinunter. Wenn man die Stufen ganz an der Seite betrat, knarzten sie nicht so laut. Flocki kam ihm schwanzwedelnd entgegen.
“Du kommst mir gerade recht”, flüsterte Pedro und legte dem Hund die Leine an, “alleine ist es mir doch zu gruselig.”
Es war unheimlich, in der Dunkelheit zu laufen. Flocki war keine rechte Hilfe. Immer wieder blieb der Hund stehen, spitzte die Ohren, zog nach links und nach rechts, wollte vom Weg aufs Feld, wenn er etwas rascheln hörte. So näherten sie sich nur langsam der Mühle. Pedro sah, wie sich die Mühlenflügel schwarz gegen den vollmonderleuchteten Himmel abhoben und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Er bereute längst, diese Nachtwanderung unternommen zu haben. So ein Blödsinn und alles nur wegen der Uhr. Als sie noch näher kamen, bemerkte Pedro, dass sich nicht nur die Mühlenflügel gegen den Nachthimmel abhoben. Etwas bewegte sich. Es waren Menschen. Sie hatten Lichter dabei. Aber wer suchte nachts etwas an der Mühle? Das war schon sehr unheimlich. Irgendetwas hatten diese Leute sicher zu verbergen. Waren es am Ende Räuber oder überhaupt Verbrecher? Unsinn. Räuber an der Mühle. Aber was suchten sie dann dort?
Pedro beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen, obwohl ihm das Herz bis zum Hals schlug; jetzt schon.
“Hör mal Flocki, wir schleichen uns jetzt mal da vor, bis hinter die Büsche, die an der Mühle stehen. Sei bloß leise. Wehe, wenn du bellst oder den Mond anheulst. Und wenn ich rufe: ‚Fass!’, dann machst du das auch, verstanden?”
Flocki sah ihn an und wedelte mit dem Schwanz. Sicher hatte er gar nichts verstanden, aber es war Pedro leichter, nachdem er dem Hund alles gesagt hatte. Unbemerkt kamen sie zu den Sträuchern.
Juri und Heimann hatten sich zum verabredeten Zeitpunkt an der Mühle getroffen. Keinem von ihnen passte diese Aktion. Kinder machten eben nur Ärger, war Heimanns ganzer Kommentar. Schweigend gruben sie den Topf aus.
“Kann ich noch mal sehen?”, fragte Heimann.
“Wieso, glaubst du, ich hab’ was rausgenommen inzwischen? Aber bitte, wenn es dich beruhigt, schau nach.”
Juri war sauer auf Heimann und ließ ihn das spüren. Vorsichtig hob er die bronzene Schale vom Topf. Das Mondlicht beleuchtete das Gold mit seinem fahlen Schein. Heimanns Augen wurden weit. Er fuhr mit der Hand durch die Goldteile, schöpfte sie heraus und ließ sie klingend wieder in d en Behälter zurückfallen. Juri verdrehte die Augen.
“So, Heimann, jetzt reicht’s.”
“Ja, das finde ich auch”, vernahmen sie eine Stimme, mit der Juri nichts anzufangen wusste, Heimann jedoch sehr wohl. Diese Stimme gehörte seiner Alten.
“Du Nichtsnutz! Du Krüppel! Und ich denke, du betrügst mich, aber nein, du bist ja noch viel dümmer. Stattdessen machst du krumme Geschäfte! Du bringst uns noch um Haus und Hof und begreifst es nicht einmal!”
So kreischte Frau Heimann noch eine ganze Zeit herum, bis auch sie endlich einmal Luft holen musste. Diesen kurzen Moment nutzte der verdutzte Juri. Er nahm den Lederhut vom Kopf, warf ihn auf den Boden und brüllte Heimann flüsternd an: “Sag mal, bist du jetzt völlig übergeschnappt? Kannst du nicht mal eine Sache richtig machen? Erst die Kinder und nun noch deine Frau. Da können wir ja gleich eine Anzeige in der Zeitung schalten! Jetzt können wir nicht mehr lange warten. Wir müssen das Geschäft so schnell wie möglich abwickeln, bevor das halbe Dorf davon weiß.”
Juri erklärte Frau Heimann kurz, um welche Geschäfte es ging. Als sie den Schatz sah, wurde ihr Angst und Bange. Man müsse so etwas melden, wer würde das denn schon kaufen. Es dauerte eine Weile, bis Juri sie beruhigen konnte. Eigentlich war es nicht einmal Juri. Es war das Gold. Der Topf stand wieder offen da und je länger Frau Heimann hineinsah, umso mehr beruhigte sie sich selber. Das war sicher viel wert und sie konnte anders leben als jetzt. Musste nicht mehr auf jedes Geldstück schauen. Das Gold betäubte ihren Verstand.

Juri und Heimann setzten den Topf schließlich in eine Schubkarre und karrten ihn zur Mühle. Dort vergruben sie alles unter der Stiege, die zur Mühlentür hinaufführte. Heimann trat den Boden fest und setzte die zuvor ausgestochenen Grassoden wieder ein. Dann drückte er diese noch einmal an. Wer nicht ganz genau hinsah, für den hatte sich hier nichts verändert.

Aber einer sah eben doch hin, und das war Pedro. Was die Erwachsenen dort taten, hatte er nicht mitbekommen. Dazu war er zu spät gekommen. Aber hatten sie nicht eine Schubkarre dabei und eine Schaufel? Der mit dem Hut schien das Sagen zu haben. Den andern kannte er irgendwoher. Wenn er doch näher heran könnte! Aber das traute sich Pedro dann doch nicht. Sicher, weiter vorn standen auch noch Büsche, aber Pedro hatte keine große Lust, entdeckt zu werden. Der mit dem Hut erstarrte plötzlich und schaute sich um. Hatte er ihn bemerkt? Pedro gefror das Blut in den Adern. Er drückte seinen Körper tief an die Erde. Flocki tat es ihm nach.

Juri hatte etwas im Gras glänzen sehen und weil er dachte, es gehöre zum Schatz, hob er es auf. Ach so, eine Taschenuhr. Er lächelte und besah sich das Gerät. Sein Lächeln erstarrte. Er kannte diese Uhr.

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