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dossierWeiß steht mir gut
– Belletristik
Ursula Dossier   DU0366B
ISBN 9783940808097, Belletris-Verlag, Paperback, 188 Seiten, € 12,90

 

dossier

Vera, die Frau in Weiß, erzählt ihrer Freundin aus ihrem Leben. Sie berichtet von ihren Ehemännern, ihren Liebhabern, ihren Freunden und von den USA, wohin es sie für 20 Jahre verschlagen hatte.


Neben der Geschichte einer kompromisslosen Selbstfindung erzählt Vera auch von ihren Erlebnissen und Erfahrungen mit ihren Patienten in Krankenhäusern, in psychiatrischen Kliniken und in Altenheimen. In diesen Berichten und in Veras eingestreuten Ratschlägen nehmen wir ihr leidenschaftliches Anliegen wahr: Sie hofft, uns allen begreiflich zu machen, dass das Schicksal der Kranken und Alten nicht nur ein Problem derer in Weiß ist, sondern in unser aller Verantwortung liegt.


Ursula Dossier gewährt uns unter anderem einen Blick hinter die Kulissen von Krankenhäusern und Altenheimen. Die autobiografischen Erlebnisse sind teils amüsant, teils erschreckend. Aufgrund der gesunkenen Geburtenrate und der gestiegenen Lebenserwartung in vielen Ländern sind immer mehr Menschen im Alter auf fremde Hilfe angewiesen. Was das im Einzelnen bedeuten kann, wird in diesem Buch aufgezeigt.


Eine der jüngeren Patientinnen des Heims hatte inoperablen Krebs. Nie verließ sie ihr Zimmer ohne Parfum, Lippenstift und einen farbenfrohen Schal um die Schultern.

Mrs. Gonzales war hispanischer Rasse, sah sehr gut aus und zog die männlichen Heimbewohner an wie die Motten das Licht. Immer fand sich jemand, der sich mit seinem Rollstuhl neben den ihren platzierte – und bald hielt sie mit einem ihrer Favoriten Händchen. Die Tochter erzählte den Schwestern, dass ihre Mutter früher viel ausgegangen sei und gern getanzt habe. Eine richtige "Bar-Fliege" sei sie gewesen, und sie habe ihre Margaritas geliebt. (Margarita = Getränk aus Tequila, Limonensaft und Triple Sec, je 1/3, in einem speziellen Glas mit Salzrand und über Eis serviert.)
 
Als der Krebs fortschritt, wurde sie bettlägerig, und es ging schnell mit ihr bergab. An ihrem Geburtstag, der ihr letzter sein würde, hatte Vera sich eine Überraschung ausgedacht, für die sie zuerst einmal einige Hürden überwinden musste. Sie erbat vom behandelnden Arzt ein Rezept für eine Margarita, zu verabreichen um 15:00 Uhr. Datum und Unterschrift.

Der Arzt habe schmunzelnd gestanden, dass es das erste Mal sei, dass er ein solches Rezept geschrieben habe. Alkohol wäre ja bei dieser Kranken verboten, aber hier könne er eine Ausnahme verantworten.

Es war Veras freier Tag, und als sie auf der Station erschien, ohne Uniform, in Straßenkleidung, staunten die Schwesternhelferinnen. Sie starrten fassungslos auf das Margarita-Glas, das eine unverwechselbare Form hat, und auf die Zutaten, die sie offen in Mrs. Gonzales' Zimmer trug.

Deren ungläubiges Strahlen entschädigte Vera für alle Mühe. Die schon schwerkranke Patientin schaffte zwar kaum die Hälfte des frisch zusammengerührten Getränks, aber sie hielt ein richtiges Margarita-Glas in den Händen. Wie wohl immer an ihren Geburtstagen in alten Zeiten.

Irgendwer musste die Heimleitung alarmiert haben. Vera konnte es sich im Geiste vorstellen, wie eine Helferin sie mit den Worten "Schwester Vera hat einer todkranken Patientin Alkohol gebracht!" denunziert hatte. Sie wurde per Lautsprecher ins Büro beordert.

Die Chefin sah sich ungläubig das ärztliche Rezept an. "So etwas konnten auch nur Sie sich ausdenken", sagte sie beeindruckt und grinste.

"Vielleicht, eines Tages, tut das auch mal einer für mich", antwortete Vera. Man identifiziert sich nun mal mit einigen Patienten.

Sie tat so etwas öfter, auch ohne ärztliches Rezept. Meist abends, wenn sie wusste, sie würde nicht erwischt werden.

Und auch wenn das passieren würde: Sie hatte immer noch ihre Immobilien-Lizenz. Darauf konnte sie zur Not immer zurückgreifen, sollte es hart auf hart kommen. Das ließ sie vielleicht etwas mutiger sein.

Einer ihrer bettlägerigen Patienten, ein über achtzig Jahre alter Mann, sagte ihr eines Abends, als er seinen Grießbrei ansah: "Ach, einmal noch ein richtig gutes Bier … das wäre was!"

Vera brachte es ihm mit, am nächsten Abend, heimlich, samt einem schönen Glas. Er hatte hohen Zucker und durfte eigentlich kein Bier trinken, aber sie gab ihm eine halbe "Zuckertablette" zusätzlich zu seiner üblichen Medikamentenmenge, und sie hatte nicht einmal ein schlechtes Gewissen.

Es war eine Freude, das Lächeln eines alten Mannes zu sehen, der trinken durfte, was er mochte – was eigentlich sowieso seine eigene Entscheidung sein sollte.

Oft schämte sie sich, Mitglied eines Systems zu sein, in dem es üblich ist, die alten Leute nicht nur mit "Oma" oder "Opa" zu titulieren (was Vera ihren Helferinnen strengstens verbot), sondern sie auch mit größter Selbstverständlichkeit wie Kinder zu behandeln. Deren Kinder haben oft keine Ahnung, was "hinter den Kulissen" vor sich geht.
 
VERAS RAT:
 
Bereiten Sie rechtzeitig Papiere vor, in denen Sie Ihren Willen für eine Zeit kundtun, in der Sie dazu nicht mehr fähig sein könnten.

Und die Partner und "Kinder" haben ebenfalls Rechte. Sie können mit unterschriebenen Ermächtigungen für die Eltern vieles durchsetzen, sogar gegen den Rat von Ärzten und Schwestern.

Benutzen Sie die richtigen Formulare, vergessen Sie nicht das Datum, die Unterschrift, auch die von Zeugen. Platzieren Sie es da, wo es auch gefunden wird – von den richtigen Leuten. Und unterschreiben Sie es – mit dem aktuellen Datum – alle zwei Jahre aufs Neue …

Tun Sie es JETZT!

Ursula Dossier


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Ursula Dossier wuchs in Köln auf, verlebte die "wilden Siebziger Jahre" in München und wanderte 1980 mit ihrem Ehemann und den beiden Söhnen nach Texas/USA aus. Dort erwarb sie die Immobilienmakler-Lizenz und arbeitete – nach ihrer Scheidung 1985 – als Maklerin.


1990 absolvierte sie am College eine Ausbildung zur Krankenschwester. Ihre Arbeit im Krankenhaus, in einer psychiatrischen Klinik und zum Schluss als Leiterin einer Station im Altersheim machte sie mit vielen Facetten des menschlichen Lebens und Leidens vertraut.


Sie heiratete ein zweites Mal, einen Franzosen aus der Normandie, den es ebenfalls nach Texas verschlagen hatte. Im Jahr 2000 kam Ursula Dossier alleine zurück nach Deutschland, um sich um ihre pflegebedürftige Mutter zu kümmern. Sie besucht ihre Söhne und deren Familien in Amerika, so oft es ihr möglich ist. Ihre Interessen sind neben Politik und kreativen Menschen das Lesen und Schreiben.


Von Ursula Dossier

 

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