„Versuche so unbedeutend wie möglich auszusehen“
Historiker erklärt römisches Leben – Lektüre-Tipp u.a. für Guido Westerwelle
Guido Westerwelle sprach: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein“ – und erntete damit heftige Proteste aus allen politischen Lagern, mal das gelbe ausgenommen.
Spätrömische Dekadenz?! An wem mag er sich da orientiert haben. Taugen ausgerechnet die Römer als Beispiel für eine Hartz-IV-Kritik des Vizekanzlers?!
Einer, der es wissen sollte, ist der englische Historiker und Römer-Kenner Dr. Philip Matyszak. Im Darmstädter Primus Verlag ist druckfrisch sein neues Werk „Legionär in der römischen Armee“ (224 S., 19.90 €, im Buchhandel oder bei libri) erschienen. Tituliert ist sein Werk als „Der ultimative Karriere-Führer“. Upps. Karriere und spätrömische Dekadenz, wie passt das zusammen? Glauben wir Matyszak, dann passt das gar nicht. Leistung war hier gefordert, mitunter sogar Vorleistung. Als Beispiel dienen ihm die Legionäre. Zitat: „Legionäre müssen ihre Sachen selber erwerben, entweder aus privater Hand oder vom Staat. Grundsätzlich braucht ein Legionär unbedingt bestimmte Artikel eines festgelegten Typs, und wenn er sie nicht selber beschafft, werden sie ihm gestellt und ihr Wert wird von seinem Sold abgezogen.“
Herr Westerwelle, bitte lesen. In diesem Buch erfahren Sie, wie hart(z) die römische Dekadenz tatsächlich war. Und wenn Sie römisches Leben sogar hautnah erleben wollen, dann schauen Sie mal rein in das berühmte Römer-Kastell Saalburg im Taunus. Das liefert allerbesten Anschauungsunterricht. Und spart auch noch die Reisekosten nach Rom.
Ansonsten bietet das Buch reichlich Stoff und Anregungen für das politische Verhalten in der Jetztzeit, zum Beispiel: „Versuche so unbedeutend wie möglich auszusehen – vielleicht ist der Feind knapp an Munition“.
